Les Années folles

 

Wir wünschen ein starkes, neues Jahr. – Im Übergang des Jahres, etwas im Überschwang, scherzten wir über die kommenden goldenen Zwanziger - und sahen unter anderem schon die kommende anarchistische Bohéme vor uns entstehen... selbstverständlich gefolgt vom großen Knall, nur würde er dieses mal halt nichts mehr übrig lassen. 10 Jahre wären uns nun aber noch gewiss. Aber wer bezeichnete die Zwanziger eigentlich als ‚goldene‘ und aus welcher (Herrschafts-)Perspektive? Auf französisch hießen die Jahre Années folles (etwa: die verrückten Jahre) und der Name bezog sich stärker auf die kulturellen und künstlerischen und weniger auf die wirtschaftlichen Aspekte.

So unsinnig und albern solche Vergleiche auch sind – es werden wohl einige verrückte Jahre auf uns zukommen. Tatsächlich werden einige gesellschaftliche und ökologische Konflikte an entscheidende Punkte kommen - und es liegt an uns allen in welche Richtung es gehen wird. Wir werden auf jeden Fall weiterhin alles dafür tun, dass gute Leben für Alle kulturell, materiell und ideell zu supporten.

 

2019 war für uns – wie wohl für die meisten – ein bewegtes Jahr, sowohl politisch, als auch intern.

Wir mussten hier im Büro uns von unserer Bürohündin Lori verabschieden (ein längerer Nachruf blieb bislang intern); wir starteten unser Label Black Mojito und beteiligten uns an ersten Soli-Partys (unvergessen unter anderem die Hard-Tekk Hütte im Blank) und brachten schlussendlich auch unsere erste Platte raus; durch das überraschende Ausscheiden unserer Steuerberatung standen einige von uns ratlos vor einem großen Berg Bürokratie und mussten viel Zeit und Nerven in den Papierkrieg und die Suche nach dem Passierschein A38 stecken; im Kollektiv schieden einige Leute aus, andere kamen hinzu, oft verlief das reibungslos, manchmal aber auch komplizierter; ein fieser Virus machte uns den Dezember schwer; wir trafen viele alte und neue Freund*innen und haben einiges gelernt.

 

Über den Tellerrand mussten wir leider auch den Verlust eines Freundes hin nehmen; andere landeten hinter Gittern; politische Gegner zerstörten lieber sich als den Feind; der Faschismus formiert sich und zeigt seine fürchterliche Fratze in Halle oder Rojava; weltweit gab es aber auch Zeichen der Hoffnung und auch wir waren mehr auf der Straße; in Flensburg wurde vor unserer Haustür ein Haus besetzt und das Freie Radio Fratz geht hier endlich on air; wir konnten mehrere tausend Euro für Hausprojekte, Seenotrettung, Rojava und antifaschistische Projekte sammeln und müssen so langsam realisieren, dass wir dringend ein größeres Büro brauchen.

Wir hoffen, dass die positiven Tendenzen von 2019 sich weiter tragen werden und das wir genug aus den schwierigen Episoden gelernt haben um den wiederkehrenden Problemen gestärkt entgegen treten zu können.

 

Another End of the World is Possible,
eure bm-crew