Polizei auflösen, Syndikate aufbauen

 

Ahoi,

etwas später als gewöhnlich kommt hier unser monatlicher Newsletter.

Es ist so viel passiert von dem wir gerne berichten wollen würden: mensch denke an die sich überschlagenden Ereignisse in den USA, die Revolte in Belarus (hier dazu ein Interview auf Crimethinc.com), Räumungen und Besetzungen in Deutschland, eine sich formierende rechte Bewegung auf der Straße und gleichzeitige Repression gegen linke Strukturen und nicht zu letzt das wachsende #polizeiproblem.

Auch bei uns war einiges los im letzten Monat, so haben wir in einer einwöchigen Großbaustelle zum Beispiel eine zweite Ebene in einem unserer Räume eingezogen um unserem wachsenden Lagerplatzproblem zumindest etwas Einhalt zu gebieten und auch unser kommendes Buch ist endlich im Endlektorat und wird dieses Jahr noch bei Unrast erscheinen. (Ankündigung des Buches beim Unrast Verlag)

Allerdings sind wir ja auch keine Tageszeitung und können es gar nicht gewährleisten über alles was uns wirklich beschäftigt im vollen Umfang zu berichten – und so müssen wir uns oft auf Spotlights auf bestimmte Thematiken auf unseren social media Kanälen reduzieren sowie die aktuellen Kämpfe in unserem Sortiment spiegeln (zum Beispiel durch Soli-Shirts für die Revolte in den USA oder in Belarus) oder durch beiliegende Infomaterialien in jeder Bestellung.

Durch die massive Zensur anarchistischer Seiten auf Facebook und die Drosselung der Reichweite »ähnlicher Seiten« ist aber einmal wieder deutlicher geworden wie wichtig es ist dabei auch eigene Kanäle zu haben. Dieser Newsletter ist einer davon und daher mal ein fettes Danke an alle die ihn abonniert haben! Ihr helft uns unabhängig zu sein.

Wir haben selbstverständlich das internationale Soli-Statement für die anarchistischen Seiten unterschrieben und möchten euch und eure Strukturen ermutigen das gleiche zu tun. Denn: wenn sie damit einfach so durch kommen, wird es erst der Anfang sein. Selbstverständlich kann mensch sich aber nicht auf Konzerne als Gewährleister der Meinungsfreiheit verlassen – und daher werden auch wir verstärkt eigene Kanäle aufbauen. Dazu dann mehr sobald es soweit ist.

 

Ein bereits vorhandener Kanal ist unser »Black Mojito« Slot im Freien Radio Fratz, die beiden letzten Beiträge waren entsprechend auch mal Spoken Word und können auf unserer Soundcloud Seite nach gehört werden.

 

Einen Krieg um die Köpfe zeigte auch die Berliner Polizei, als sie nach der Räumung des Syndikates durch die Gegend fuhr und sämtliche Soli-Banner denen sie habhaft werden konnte entfernte. Ähnliches geschah übrigens auch an der Wand vor der ein 15 jährigen von der Hamburger Polizei schikaniert wurde: einen Tag nachdem das Video viral ging und im Hintergrund antirassistische Sprüche zu lesen waren wurde die Wand überstrichen.

Ursprünglich hatten wir uns vorgenommen in diesem Newsletter von unseren Erfahrungen während der Syndikat Räumung in Berlin zu berichten, allen Aktiven unsere Solidarität auszusprechen und für die Schaffung vieler Syndikate und selbstverwalteter Strukturen zu plädieren.

Einige von uns waren als Pressevertreter*innen vor Ort und haben von der Räumung berichtet. Wer uns auf Twitter folgt hat dies vermutlich auch beobachten können – in der spontanen Umnutzung unseres Accounts zur Demoberichterstattung. Das Bild vor Ort war eine beeindruckende Belagerungstaktik durch die Polizei, die dem Einfall einer Besatzungsmacht in einem ihnen feindlich gesonnen Stadtteil glich. Trotz massiver Schikanen und Abriegelungen protestierten Tausende gegen die Räumung, es kam immer wieder zu kleineren Auseinandersetzungen und teilweise brachten die Cops die halbe Hermannstraße gegen sich auf (und müssten dort auch mal einen Schritt zurück gehen). Es brachte alles nichts, am Ende wurde geräumt und die abendliche Tag X Demo wurde ebenfalls massiv angegriffen.

Das alles unter einer rot-rot-grünen Stadtregierung. Wen das aber noch überrascht, der oder dem empfehlen wir gerne noch einmal unsere Übersetzung zur Demokratie-Kritik.

Dennoch ist die Solidarität mit dem Syndikat ungebrochen und wir hoffen, dass daraus etwas neues entstehen kann. 

Eine Sidestory ist noch erwähnenswert: wir wurden kurz einer Personalienkontrolle unterzogen, die Zivis waren zunächst sehr konfrontativ – auf das Vorzeigen des Presseausweises reagierten sie feindlich und pöbelnd über linke Presse, ließen uns aber laufen. Einer sagte noch im ironischen Ton »die Pressefreiheit ist auch für uns ein hohes Gut«. Eben selbigen Zivi sah ich 3 Stunden später wie er einen Kameramenschen umsschubste.

Gegen Rechtsruck und das Polizeiproblem helfen nur Organisation von unten. Schafft viele Syndikate, unkontrollierbare Räume und eigene Kommunikationskanäle.

 

Bis bald & passt auf euch auf,
eure BM Crew.