Nieder mit der Schwerkraft!

Ahoi,

2007 machten sich zwei von uns von Costa Rica aus auf nach Chiapas zum Intergaláctico, dem weltweiten Treffen der Zapatistas. Im Gepäck einige Zeitungen der anarchistischen Föderation Costa Ricas und einige diy Punk Zines. Da in der Region der ›Ausnahmezustand‹ herrscht und politische Betätigung in Mexiko durchaus gefährlich werden kann, mussten wir diese vor den zahlreichen Militärposten gut verstecken. Wir waren allerdings gut getarnt, mit den Hippie-Umhängetaschen, die wir eilig an einem touristischen Stand gekauft hatten.

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Unvorbereitet waren wir allerdings auf die nächtliche Kälte des lakadonischen Urwaldes; nur dank einigen solidarischen und wesentlich besser vorbereiteten Anarchopunks aus Mexico City überstanden wir die ersten Nächte. Diese waren dank der Synthie-Band, die uns alle frühmorgens mit Revolutionsliedern weckte allerdings eh kurz. Die lecker aussehenden grünen Paprikas entpuppten sich dann beim Frühstück als ziemlich scharfe Chillis, was na klar zur weiteren Belustigung unserer Begleitung beitrug…

»Ein Treffen ist ein Fest. Es ist ein Treffen und kein Kongress. Wir werden uns treffen und sehen, was zum Teufel dabei herauskommt. Es ist nicht nur ein Treffen der Zapatistas und der Sympathisant[*inn]en des Zapatismus. Es ist ein Treffen zwischen denjenigen, die ihr jeweiliges „Ya Basta!“ [Es reicht!] zu ihren jeweiligen Alpträumen sagen oder sagen wollen.« schrieb das Ya Basta Netz im Vorfeld zu dem Treffen.

Das unsere Spanisch Kenntnisse kaum ausreichten um die zahlreichen Berichte und Vorträge aus den rebellischen Gemeinden zu verstehen, war dann in der Tat auch gar nicht so wichtig. Viel spannender war es einen Eindruck der Gemeinden in Selbstverwaltung zu bekommen, direkt mit den Involvierten zu schnacken – die diy Atmosphäre und die Organisationsweise hatte durchaus Parallelen zu dem was wir aus autonomen Zentren in Europa kannten, auf einem wesentlich breiterem gesellschaftlichen Fundament. Wir fühlten uns sehr willkommen und Zuhause.

Die Standpunkte der Zapatistas und ihre Organisationsweise prägten uns und unsere Projekte – ein fragendes, fehlerfreundliches und lernfähiges Voranschreiten; ein solidarisches Nebeneinander stehen der Kämpfe, das immer wieder die Gemeinsamkeiten sucht und ansonsten den jeweiligen Kämpfen Autonomie und Respekt zu spricht; ein Kampf der nicht auf ein Utopia abzielt, sondern das Gute Leben im Hier und Jetzt versucht zu verwirklichen; der Versuch sich dem Staat und seinen Untertanen zu entziehen und ihn auszumanövrieren – und das wichtigste: den Betroffenen zuzuhören, von ihnen zu lernen und sich gegenseitig in den eigenen Kämpfen und Territorien mitzudenken. Was eben auch bedeutet sich mit der Kolonialgeschichte und den eigenen Verwobenheiten in dieses System der Macht auseinanderzusetzen und indigene Kämpfe um Land und Freiheit zu unterstützen.

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Und nicht zu letzt auch der Humor: die EZLN stolperte über die eigenen Reihen beim Aufmarsch, Subcomandante Marcos erschien und statt einer großen Rede für die Anwesenden Revolutionär*innen aus aller Welt, erzählte er eine Geschichte für die anwesenden Kinder aus den Gemeinden und verschwand wieder.

Eine Begegnung die uns auf viele Arten prägte und einen Teil der Attitüde beisteuerte mit der wir dann unser Projekt Black Mosquito weiter dachten und voran brachten.

2006 schrieb das Ya Basta Netz im Vorfeld des Intergaláctio noch: »Die Herrschenden verwandeln Europa in eine Festung, in die nur Geld und Waren eingelassen werden. Menschen finden ihren Platz hier nur, wenn sie sich nach marktwirtschaftlicher Logik verwerten lassen. Daher können und wollen wir keinen konkreten Vorschlag für den Ort und den Zeitpunkt des Treffens machen, halten aber den Europäischen Kontinent für das Intergaláctico für ungeeignet.« Nun, 14 Jahre später wird das für nicht möglich gehaltene wahr werden: die Zapatistas sind in Europa – beziehungsweise werden einige bald noch anreisen, während andere schon mit dem Schiff gekommen sind.

Und genau aus diesem Grund fanden wir es wichtig, diese Geschichte zu erzählen. 

Also – wenn ihr die Chance habt: supportet die Tour der Zapatistas, hört zu & versucht die Veranstaltungen der Reise zu besuchen…

Hier einige nützliche Links und auch unsere Soli-Seite zur Tour.

 

»Jemand sagte, gegen den Neoliberalismus zu sein, ist wie gegen das Gesetz der Schwerkraft zu sein. Nun denn: Nieder mit dem Gesetz der Schwerkraft!«

— Subcomandante Marcos

 

Salud, fuerza y amor para ustedes,
eure bm-crew