This is not a Safe Space!

Zu feiern gibt es dieser Tage eigentlich nichts, gemessen an den äußeren Umständen – aber dennoch gibt es da ja eigentlich immer diese Anlässe, die dann doch irgendwie Freude bereiten. So wird das Medienkollektiv Leftvision dieser Tage 10 Jahre alt, unsere Freund*innen der Straßen aus Zucker feiern ebenfalls zehnjähriges, das Syndikat in Berlin wird 35 und die Rote Flora feiert ihr 30-Jähriges (bei dem wir übrigens einen unserer seltenen Stände machen!) … und wir, wir sind dieses Jahr super-sweet 16 geworden. Eine wirkliche Party ist noch nicht geplant – wobei wir eigentlich Bock drauf hätten! Unsere Prioritäten liegen aber gerade woanders und wir müssen mal schauen ob noch Kapazitäten übrig bleiben.
Aber immerhin gibt es ein Geschenk von uns an uns selber: wir haben mit Black Mojito unsere erste Platte ins Presswerk gegeben!

Bei diesen Gelegenheiten der kollektiven, freudvollen und teilweise auch berauschten Zusammenkunft wird oft vergessen, dass ein zwar als »antisexistisch, antirassistisch...« deklarierter Raum oftmals hohe Ansprüche hat, diese aber oft an der Realität clashen. Aufgrund schlechter Erfahrungen in letzter Zeit beschäftigen wir uns auch gerade vermehrt damit, wie wir safere Räume für uns selber schaffen können und ob und wie das überhaupt möglich ist. Schnell sind wir zu der ernüchternden Erkenntnis gekommen: es gibt keine zu 100% sicheren Räume.

Aber wir können durch gemeinsame »Community Accountibility« dafür sorgen, dass der Zustand für uns alle angenehmer wird. Ergänzend sind verschiedene Konzepte von Awareness als Support wichtige Bausteine um gemeinsame Räume und Veranstaltungen sicherer zu gestalten. Letztendlich kann letzteres aber auch nur als temporäre Unterstützung gesehen werden.
Wir müssen alle lernen für uns selbst und für einander Verantwortung zu übernehmen – damit machen wir Räume für uns alle sicherer.
Wenn mensch sich also die Schattenseiten des Nachtlebens anschaut, dann gibt es noch weniger zu feiern und das Gefühl von Unbeschwertheit im Rausch scheint manchmal ferner denn je…
Der Raum, den Partys & co in linken Kreisen einnehmen können ist doch immer mal wieder bedenklich hoch und wenn es nur ums feiern, saufen und ballern geht, dann reicht uns das nicht für ein schönes Leben – wir wollen mehr!

Den Großteil der Lebenszeit verbringen viele der BM Crew ohnehin ganz anders... Einen Einblick in unseren alltäglichen Betrieb könnt ihr auf dem Metadiskursiv Blog nachlesen. Wir haben ein paar Fragen beantwortet. 

Her mit dem schönen Leben!
Zu feiern gibt es dann nämlich doch etwas – und das jeden Tag: das Leben selber. Das Leben feiern wir nicht nur mit rauschenden Festen, mit Verweigerung der Lohnarbeit, sondern vor allem auch im Widerstand, im Aufbau von Communitys, die sich nicht nur innerhalb von Party-Kontexten gemeinschaftlich um Probleme kümmern, sondern auch insgesamt für ein ganz anderes Miteinander streiten. Im Kampf für eine anarchistische Gemeinschaft finden wir die Freude und das Leben, welches es zu verteidigen gilt gegen die Feinde der Freiheit. Dabei wird es immer Situationen außerhalb der Wohlfühlzone geben, es wird immer mal wieder ätzend werden – aber wir können gemeinsam lernen damit besser umzugehen.

Safe with each other – dangerous together.
Nicht vergessen sollten wir aber auch jene, die hinter Gittern sitzen und nicht mit uns kämpfen, feiern und organisieren können… die 3 von der Parkbank, die 3 von der Autobahn oder der Genossen, der in Kiel vor kurzem zu knapp 1,5 Jahren ohne Bewährung aufgrund von G20 Protesten verurteilt wurde. Aber auch jene, die ohne Knast weggekommen sind haben oft zu kämpfen, wie zB die Betroffenen der Repression nach S20.

(A)