Die 100. Ausgabe der Găi Dào ist erschienen.

Wenn Potenzial und Tradition sich zu einer bewegten Zeitschrift verbinden.

Acht Jahre und 4 Monate lang, Monat für Monat eine selbstgemachte Zeitschrift zu veröffentlichen, ist eine schöne Sache. Vor allem, wenn sie kostenlos downloadbar ist und mit dem Selbstbewusstsein auftritt, anarchistische Themen und Perspektiven in eine breitere Öffentlichkeit zu tragen. Als Projekt, das aus der Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA-IfA) hervorgegangen ist, ist die Găi Dào dennoch autonom von dieser und hat den pluralistischen Anspruch, allen Strömungen des Anarchismus Raum zu geben.
Aufgrund ihres Online-Formats ist die Găi Dào sehr innovativ. Prinzipiell kann jede*r Artikel bei der Redaktion einschicken, wenn sie ins Profil der Zeitschrift passen. Insofern ist jede Ausgabe einzigartig. Immer wieder finden sich in der Găi Dào sehr gute Berichten von Aktionen, Informationen und Interviews zur internationalen anarchistischen Bewegung, daneben aber auch viele Rezensionen und mancher gute Theorie-Text der sonst nirgendwo veröffentlicht werden würde.


Dennoch wünschen wir uns sehr, dass uns mehr Menschen Erfahrungsberichte von Aktionen und Treffen einreichen, die stärker am Puls der Zeit liegen. Die Struktur ist da. Ihr könnt sie nutzen, um die Găi Dào zu einem Medium zu machen, durch welches tatsächlich eine politische Szene kommuniziert, sich austauscht und weiterentwickelt. Hierbei sehen wir eine Tendenz, die eigenen Erfahrungen (z.B. auf einer Demo) entweder nicht als wichtig genug zu empfinden oder nicht kommunizieren zu wollen. Selbstverständlich sollten Repressionsbehörden keine unnötigen Hinweise durch unsere öffentliche Kommunikation erhalten. Doch viele Geschehnisse, die (den Behörden) ohnehin bekannt sind, lohnen sich auch veröffentlicht und (kritisch) diskutiert zu werden. Ebenfalls ist verständlich, wenn Menschen sich nicht selbst darstellen wollen, indem sie ihre Einschätzungen und Gedanken in Artikeln zugänglich machen. Andererseits sind die politischen Dinge, die ihr erfahrt und durchmacht, oft total wichtig und es wert, geteilt zu werden. Denn neben eurer kleinen Gruppe, die hoffentlich gut informiert und organisiert ist, gibt es viele Leute, die sich entweder gerade erst politisieren oder welche, die schon älter sind und deswegen nicht mehr so viel Zugang zu politischen Szenen haben. Andere wohnen vielleicht fern ab auf dem Land oder sind arbeitsmäßig sehr eingespannt. Dennoch schätzen sie die Găi Dào, weil sie dadurch die Möglichkeit haben, sich zu informieren und eine eigene Meinung zu entwickeln und am Ball zu bleiben, weil sie merken, dass an anderen Orten einiges passiert.


Leider hat die Zahl der Leser*innen der Găi Dào abgenommen. Wir glauben aber nicht, dass es weniger Anarchist*innen gibt, sondern im Gegenteil, dass wir mehr geworden sind. Eine Zeitschrift ist – neben sehr vielen anderen Dingen – ein Mittel, um die politische Szene zu beflügeln und zu organisieren. Dass Organisierung schwierig ist, wenn wir auf Dezentralität, Autonomie und eigenes Engagement ohne Zwang und autoritäre Führung setzen, sollte uns nicht daran hindern, dies immer wieder zu versuchen und unsere Prinzipien umzusetzen.
Damit wir zukünftig wieder besser schaffen, wünschen wir uns, dass Leute ihre Konsummentalität überwinden und nicht nur gute Artikel erwarten, sondern selbst welche schreiben. Ob reflektierte und aktuelle Berichte von Demos, Aktionen und Treffen, Interviews mit Personen, die spannende Dinge zu erzählen haben, Hinweise auf Veranstaltungen, Theorie-Texte um wichtige Diskussionen auf solidarische Weise anzustoßen oder auch persönliche Erfahrungen und Gedanken, wie ihr in dieser Gesellschaft durchkommt – all das kann in der Găi Dào Raum haben.


Schließlich freuen wir uns auch, dass ihr mal wieder in die Găi Dào schaut, gern auch in die früheren Ausgaben, die ihr alle online findet. Bei den aktuellen Ausgaben geht das am leichtesten geht das, wenn ihr sie abonniert und als Printversion nach Hause geschickt bekommt. (Die Kosten dafür gehen übrigens vollständig in den Druck und Versand.)

(Geschrieben von einer Person aus dem Umfeld der Redaktion)

Die Ausgabe und weitere Materialien der FDA findet ihr in unserer FDA Kategorie.