Unter dem Schatten des Todes

Vor einiger Zeit hatten wir zufällig in einer alten Buchkiste den Roman »Blutsonntag« von Robert Brack entdeckt und waren begeistert. Obwohl der Titel schon einige Jahre auf dem Buckel hatte, haben wir ihn aufgenommen und auch gerne weiter empfohlen. Einige dürften ihn inzwischen auch kennen.

Nun haben wir uns den Nachfolgeroman »Unter dem Schatten des Todes« besorgt und ihn ebenfalls aufgenommen. Auch dieser Titel ist schon vor längerer Zeit erschienen, wir finden aber er hat es durchaus verdient nicht auf irgendeiner Backlist zu verschimmeln.

 

ReichtstagbrandIm zweiten Teil geht es wieder um die kommunistische Redakteurin Clara Schindler, die nun von der Interkom beauftragt wird den Reichstagsbrand zu untersuchen. Sie fährt nach Berlin und begibt sich auf Spurensuche nach Marius van der Lubbe und den Umständen des Brandes, der von den Nazis genutzt wurde um die Verfolgung ihrer politischen Gegner*innen zu legitimieren.

Dabei hat sich Robert Brack ein historisch umstrittenes Ereignis raus gesucht – immer noch sind sich Historiker*innen nicht einig, ob der Brand eine Aktion der Nazis oder ein missglücktes Fanal durch einen rätekommunistischen Heißsporn war. Dabei liefert der Autor eine eigene, plausible literarische Interpretation. Neuere historische Funde und Aussagen konnte er dabei nicht berücksichtigen, allerdings könnten diese auch als Bestätigung seiner Thesen gesehen werden.

Neben dem historischen Hintergrund ist es aber auch eine große Freude der sympathischen Hauptrolle zu folgen. Sie sieht die Befehle aus der kommunistischen Internationalen zunehmend kritisch – und hinterfragt fortlaufend ob die KPD angemessen auf die Machtergreifung reagiert. Auf ihrer Spurensuche begegnet sie dem Rotfrontkämpferbund, Anarchosyndikalistinnen, Querfrontlern und Individualanarchisten.

 

Ein spannender Roman mit interessanten Perspektiven.