Reinhold Schlotz ist mit seinem Buch »Von Golgatha nach – Auschwitz - Die Mitverantwortung des Christentums für den Holocaust« ein Werk gelungen, dass auf 113 Seiten einen guten und fundierten Überblick über 2000 Jahre christlichen Antisemitismus gibt. Er nimmt dabei beide christlichen Großkirchen ins Visier. Für die Kirche und somit für die Geschichte des Antisemitismus prägende Ereignisse, Epochen und Geistliche werden chronologisch beleuchtet. Besondere Aktualität erreicht das Buch durch das Kapitel über Martin Luther, wird doch in diesem Jahr am 31.10. zum 500. Jahrestag des "Thesenschlags" deutschlandweit ein außerordentlicher "Feiertag" begangen. Schlotz ist eine der wenigen kritischen Stimmen in dem immer wiederkehrenden Froschkonzert zu den "Verdiensten" Luthers. Die Verstrickungen der Kirche während der Zeit des Nationalsozialismus und die Verbindungen führender NS-Größen nehmen erwartungsgemäß einen großen Teil ein.

Das die Kirchen es nicht einmal nach 1945 schafften sich wirklich mit ihrem eigenen Antisemitismus auseinandersetzen, sondern auch noch aktive Fluchthilfe für Nazis und ihre Kollaborateure zu organisieren und ihren Namen reinwuschen, wird im letzten Teil des Buches thematisiert. Besonders für LeserInnen, die sich vorher noch wenig bis gar nicht mit der Thematik beschäftigt haben ist das Buch empfehlenswert, gibt es doch genügend Anreize sich mit einzelnen Aspekten zu beschäftigen.