Zunder – Proxima B LP

Vorabveröffentlichung – Review wird im kommenden Proud to be Punk #36 erscheinen.

Bekanntlicher Weise dient Zunder beim Übergreifen eines Funkens zum Entfachen eines Feuers. Im übertragenen Sinne verfolgt auch das sechsköpfige Gespann aus Flensburg das Ziel, mit ihrer Musik und ihren Texten ein Feuer in Herzen und Hirnen auflodern zu lassen. Um dieses Anliegen praktisch umzusetzen, melden sich Zunder nach fast sieben Jahren der Veröffentlichungsfunkstille mit einem ersten Komplettalbum zurück, nachdem sie 2015 bereits ihre Debüt-EP „Tote Mauern“ herausgebracht hatten. Trotz diverser Besetzungswechsel halten sie musikalisch weiter den bereits damals von ihnen eingeschlagenen Kurs, so dass sich mit den elf hier zu hörenden Songs ebenso wütender wie auch abwechslungsreicher Anarcho- bzw. HC-Punk durch die Gehörgänge fräst. Derbe, ungeschliffene Riffs, kraftvoll treibende Schlagzeug-Beats und wütende weivlich-männliche Wechsel-Vocals blasen hier zur Attacke, wobei das Tempo zwischen Frontalangriff und kurzer, melodisch-kraftvoller Verschnaufpause variiert.

Inhaltlich gilt besagte Attacke den Schergen der GEMA („GEMA“) oder den rückwartsgewandten Steinzeit-Kommunist_innen des selbsternannten Jugendwiderstands, die in Flensburg, aber auch anderswo scheinbar nichts Besseres zu tun hatten bzw. haben, als Stress mit der hiesigen Anarcho-Szene anzuzetteln („Blutrot“). Darüber hinaus bildet der Aufruf zur Selbstreflexion ein zentrales und damit wiederkehrendes Thema der kurzen, versfetzenartigen Zunder-Lyrics. Hierbei üben sie Kritik an denjenigen, die vor lauter Vergangenheitsverklärung den Blick für die Gegenwart und im gleichen Atemzug auch den Mut zu kämpfen verloren haben („Pulverfass“). Klar, hinfallen gehört zum Leben dazu, aber man darf natürlich nicht versäumen, wieder aufzustehen („Hinfall`n“), wofür die eigene Psychohygiene unerlässlich ist („Psychohygiene“). Alle Lyrics findet ihr auf dem Texteinleger, der der Scheibe neben einem Poster und einem Patch beiliegt und die übrigens nach dem zukünftigen Ersatzplaneten Proxima Centauri b benannt worden ist, auf dem es wohl flüssiges Wasser geben soll und der demnach als Ersatzplanet in Frage kommen würde, wenn die Menschheit die Erde endgültig ausgepresst hat. Bis das aber so weit ist, könnt ihr euch die Zeit ja noch mit gut knallendem Punk versüßen, wie ihn u.a. Zunder fabrizieren.

 

Ins Album reinhören?