Das kleine 1x1 der Quarantäne

 

 

Ahoi,

in unserem Nahumfeld gab es inzwischen auch die ersten Quarantäne- und Corona-Fälle und wir fürchten, dass es davon in nächster Zeit bei uns und euch allen mehr davon geben wird. Wir fanden es in dem Zusammenhang teilweise recht hilfreich Erfahrungsberichte anderer zu lesen – und haben uns daher gedacht hier ebenfalls einen zu teilen.

Vorab: wir finden es super wichtig sich schon vor dem Fall des Falles in der Peergroup, WG, im Wohnprojekt und im Nahumfeld über Strategien, Ängste, Bedürfnisse und Handlungsoptionen auszutauschen. Sowohl im Umgang mit potenziellen Infektionen und dem Schutz davor, als auch dann im Umgang mit Quarantäne und Isolation. Auf den Staat ist hierbei (wie immer) kein Verlass. Einige wertvolle Gedankengänge dazu finden sich auch im Text ›Das Virus überleben‹.

Nun aber zu unseren konkreten Tipps, die sich selbstverständlich auf individuelle Umstände beziehen – aber vielleicht ja dem ein oder der anderen dennoch hilfreich erscheinen mögen.

Zunächst einmal fanden wir die Grundregel aus ›Per Anhalter durch die Galaxis‹ hilfreich:

keine panik!

Die Impfungen schützen meistens sowohl euch vor schweren Verläufen, als auch andere vor Ansteckungen. Es gibt auch keinen Grund sich oder andere zu shamen, solltet ihr irgendwen angesteckt haben oder von wem angesteckt worden sein! Es sei denn es sind die Bullen gewesen, die könnt ihr na klar shamen!
Der Ratschlag mag für vulnerablere Menschen etwas vermessen klingen. Schließlich ist es dennoch eine gefährliche Infektion, aber auch mit höherem Risiko ist Ruhe bewahren sinnvoll. Auch hier ist es hilfreich sich vorher über Ängste und Bedürfnisse mit seinen Peers ausgetauscht zu haben.

Bini auf twitter


Als erste kleine Notfallmedikation haben wir uns an einige Tipps von Bini Adamczak gehalten und hatten das Gefühl, dass diese sinnig sind.

Konkret hilfreich als Person in Quarantäne war es, sich eine Liste mit Aufgaben zu erstellen, was mensch so während der Zeit machen könnte, welche auch nicht allzu ernst genommen werden sollte, aber es hilft einfach zu wissen, dass mensch etwas tun könnte, bevor einem*einer die Decke auf dem Kopf fällt. Wenn ihr merkt, dass ihr für Dinge die ihr während der Quarantäne machen könnt, noch Materialien braucht, können andere für euch diese (provisorisch) besorgen oder ihr macht euch selbst ne Quarantäne Box, bevor ihr in einer Quarantäne landet. Dinge müssen auch oft nicht extra gekauft werden, oft haben Menschen Sachen zu Hause rumliegen, die sie eh nicht mehr brauchen (Bücher, Puzzle usw). Einfach mal bei euch im Freund*innenkreis rumfragen.

Es hilft zu wissen, dass mensch auch auf engstem Raum jederzeit unterschiedlichste Sachen machen kann, falls einem zu langweilig wird. Kleinere körperliche Übungen, Dehnungen, leichtes Yoga oder ähnliches helfen vorbeugend gegen weitere Schmerzen die durch das Nicht-Bewegen entstehen können, sobald ihr euch fit genug dafür fühlt. Dadurch, dass oftmals die Konzentration nicht so da ist wie üblich, sind einfache Texte und spannende Romane eine willkommene Ablenkung. Puzzeln und dabei Podcasts* hören erwiesen sich zudem als sinnvoller Zeitvertreib.

Auch Briefe an Gefangene zu schreiben und sich da ein bisschen auszutoben und die nach der Quarantäne abzuschicken, kann sich sinnvoll anfühlen.

Kontakt zu Gefährt*innen halten, digital oder als Besuch vorm Fenster (schaut euch bei euch um, wo ihr bei euch Freund*innen draußen sehen könntet)… es halfen auch - für uns eher ungewöhnliche Dinge - wie digitale Spiele auf dem Phone gemeinsam spielen (du vertreibst dir die Zeit und stehst auf eine etwas diffuse Art in Kontakt mit deinen Leuten).

Wichtig als Bezugsperson war es den Kopf zu behalten (keine Panik!), sich nicht über-besorgt zu fühlen und raus zu finden was mensch sinnvolles tun kann. Dabei ist es schlau ein individuelles Level zu finden und bei Unsicherheiten einfach mal die Person in Quarantäne zu fragen, worüber sie sich freuen würde. Beim Einkaufen immer mal wieder nachfragen ob es noch Wünsche gibt (solange die Geschmacksnerven da sind und Essen noch Spaß machen kann, ist geiles Essen ne super Sache). Na klar sind vor der Tür liegende Überraschungen auch manchmal richtig cool.

Wenn ihr nicht ganz eng mit den Leuten seid, dann macht es auch Sinn, einfach mal nen Einzeiler zu schreiben. Die Hürde sich zu melden und nicht zu wissen in welcher Form, ist erfahrungsgemäß hoch. Ein einfaches ›Hey, wie gehts‹ ist aber oft schon ne super nette Geste und holt die Menschen ein bisschen aus der Isolation raus.

Soweit ein paar Erfahrungen von uns, sofern es einigen von euch hilft diese schwierige Zeit besser zu durchstehen sind wir happy.

Passt auf euch auf,
bmc

 

 

* Spannend war diese Reihe zur Polizeikritik – und an dieser Stelle sei auch auf unsere Radio-Show verwiesen und bei Fratzig vorgelesen findet ihr einige spannende Bücher.